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Die Vision
Unsere Idee ist neu – ein Festival, das zum Thema „Geschichte“
Unterhaltung mit wissenschaftlichem Anspruch verbindet, gab es in
dieser Form noch nicht in Berlin. Wir wollen Geschichte popularisieren.
Die Historiale soll Berlin und seine Gäste auf unkonventionelle Weise
mit Geschichte konfrontieren und Verbindungen zwischen gestern und
heute aufzeigen. Wir wollen deutlich machen, dass Geschichte Folgen
hat, die für uns heute von Bedeutung sind.
Das Geschichtsfestival verbindet Events mit Wissensvermittlung und ist
damit vergleichbar mit großen Kulturfestspielen. Die Besucher werden
Geschichte »entstaubt« und unterhaltsam erleben. Gleichzeitig soll die
Zusammenarbeit mit namhaften Historikern und wissenschaftlichen
Institutionen die Qualität der Wissensvermittlung sichern.
Die Historiale ist damit auch ein Experimentierfeld für die Vermittlung
von historischem Wissen, neuen Erkenntnissen und für die Umsetzung von
Information in Medien. Wir wollen zur Vernetzung von Kultur und Bildung
beitragen und eine Plattform für Menschen und Gruppen bilden, die sich
mit Geschichte beschäftigen. Ein Geschichtsfestival in Berlin kann dem
Berufs- und Interessenfeld „Geschichte“ gesellschaftliche
Aufmerksamkeit geben und ihm im Falle eines Erfolgs auch Glanz
verleihen.
Das Zusammenspiel unterschiedlicher Medien und Veranstaltungsformen
lässt eine besondere Festival-Atmosphäre entstehen, die neue Zugänge
zum Thema „Geschichte“ ermöglicht. Ein Festival ermöglicht und fördert
die Kommunikation zwischen den Besuchern und damit zwischen
unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen.
Der Ort
Berlin bietet sich als Ort für ein solches Event an, hier konzentriert
sich Geschichte auf geradezu spürbare Weise. Die frühere und heutige
Hauptstadt bietet herausragende Möglichkeiten durch ungewöhnliche und
öffentlichkeitswirksame Veranstaltungsorte. Hauptsächlich sollen sich
die Veranstaltungen auf Berlin-Mitte konzentrieren.
Die Themen
Die Historiale greift Geschichte als Erinnerung und Reflexion
historischer Ereignisse, von Phasen, Personen und Konstellationen unter
einem jährlich wechselnden Schwerpunktthema auf. Wichtig ist uns stets
der Gegenwartsbezug. Das Thema für 2007 befasst sich unter dem Titel Agenda 1807 mit den Preußischen Reformen. Für die nächsten Jahre sind folgende Themen gedacht:
2008 – Märzrevolution 1848
2009 – Kaiserzeit 1871 - 1918
2010 – Die Zwanziger Jahre in Berlin
2011 – Wissenschaftsregion Berlin, 100 Jahre Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 1811
2012 – 300 Jahre Friedrich II. 1712
2014 – Alexander in Berlin, Sieg über Napoleon 1814
Wir möchten keine Schönfärberei der Vergangenheit betreiben sondern uns
den Themen kritisch nähern. Dazu gehören auch dunkle Phasen der
Deutschen Geschichte. Nicht jedes Thema eignet sich jedoch für das
Festivalformat. Für die Beratung bei der thematischen Ausrichtung wird
ein Beirat mit namhaften Historikern eingerichtet.
Das jeweilige Schwerpunktthema soll zunehmend ergänzt werden durch die
Präsentation von weiteren Geschichtsthemen in den Medien Buch, Film,
Theater und Kleinkunst sowie Börsen, an denen Exponate, aber auch
Informationen und Dienstleistungen gehandelt werden können.
Veranstaltungszeitraum
Ab 2007 soll das Festival jährlich Ende August / Anfang September
für mehrere Tage stattfinden. Wir streben für jedes Jahr ein festes
Wochenende an. Die Historiale soll nicht mit Messen und touristischen
Großevents konkurrieren, sondern einen eigenen Anlass schaffen, die
Stadt zu besuchen.
Zielgruppenausrichtung
Ziel des Festivals ist es, bei einem breiten Publikum Faszination für Geschichte zu wecken.
Wir möchten sowohl Menschen erreichen, die sich bereits mit Geschichte
beschäftigen als auch ein Publikum ansprechen, dem unsere Themen neu
sind. Die Forschungsgruppe Wahlen e.V. hat in einer repräsentativen
Befragung zur „Deutschen Geschichte“ für die Tageszeitung „Die Welt“ im
März 2005 das Interesse der wahlberechtigten Bevölkerung Deutschlands
an Geschichte erforscht. Aus der Bewertung der erhobenen Daten kann
allgemein geschlossen werden:
• Mehr als ein Drittel aller Deutschen ist „sehr stark“ an Geschichte interessiert
• Für Geschichte interessieren sich Männer um 50% stärker als Frauen
• Das Interesse an Geschichte wächst mit zunehmenden Alter um bis
zu 80% und erreicht einen Spitzenwert in der Altersgruppe der 35- bis
59-Jährigen mit 42,2%
• Hochschulabsolventen, die älter als 35 Jahre sind, interessieren
sich mit 62,7% fast dreimal so stark für Geschichte wie jüngere
Menschen (unter 34 Jahren) mit Hauptschulabschluss.
Das Hauptinteresse an den Veranstaltungen einer Historiale würde danach
bei einer Zielgruppe liegen, die akademisch gebildet und gehobenen
Alters ist und die vermutlich über ein gutes Einkommen verfügt. Wir
möchten aber auch Menschen für Geschichte begeistern, die nicht zu
dieser Gruppe gehören, insbesondere ein jüngeres Publikum. Unsere
Erfahrung mit der ersten Historiale-Veranstaltung im Oktober 2006
„Napoleon in Berlin“ zeigte: Der zentrale Programmpunkt – die szenische
Nachstellung von Napoleons Einzug durch das Brandenburger Tor – wurde
von einem breit gemischten Publikum besucht (30.000 Zuschauer), das in
seiner Zusammensetzung über die oben genannte Zielgruppe hinaus ging.
Für das Interesse von jüngeren Zuschauern waren bei diesem
Programmpunkt das Erlebnisgefühl und der „Live“-Charakter von
herausragender Bedeutung. Auch in den folgenden Jahren zeigten die historischen Darstellungen, wie zum Beispiel der Barrikadenkampf auf dem Alexanderplatz oder der historische Markt im Nikolaiviertel, das es Spaß macht, Geschichte live zu erleben.
Veranstaltungsformate
Den Festivalcharakter unterstreichen abwechslungsreiche
Veranstaltungsformate. Im Zentrum steht eine öffentlichkeitswirksame
szenische Darstellung, die historische Situationen pointiert nachstellt
und das heutige Berlin auf direkte Weise mit Vergangenheit
konfrontiert. Dieser Programmhöhepunkt ist zugleich „Aufhänger“ für das
Gesamtprogramm: Vorlesungen, Diskussionsrunden, Stadtrundgänge,
Exkursionen und Ausstellungen an den Orten des Geschehens, historische
Musik-, Theater- und Literaturbeispiele, Vorführung von Filmen sowie
Modepräsentationen und Kostproben aus der Küche der jeweiligen Epoche.
Als fester Bestandteil der Historiale soll sich der Berliner Salon
etablieren: Unternehmen, Verbände, Privatiers, Museen und andere
Institutionen können in ihre Räumlichkeiten einladen und sich
vorstellen.
Initiatoren und Organisationsform
Die zündende Idee für ein Geschichtsfestival kam aus der Berlin
Story, Buchhandlung und Verlag Unter den Linden 26. Das Sortiment der
Buchhandlung umfasst 3000 Titel über Berlin, im Verlag erscheinen zudem
jährlich rund 20 eigene Berlin-Titel. Aus diesem Grund konzentrieren
sich viele Kontakte aus Museen, Archiven, Unternehmen; viele Anregungen
kamen von Historikern, Autoren, Verlegern, Filmemachern, Journalisten
und Kommunalpolitikern.
Der Verein Historiale e.V., der hinter dem Geschichtsfestival steht,
ist zehn Jahre alt und wurde im Gutshaus Steglitz von Historikern,
Kunsthistorikern und interessierten Laien gegründet. Ziel sollte es
sein, einen Beitrag zu leisten, Geschichte populär zu machen. Vorbild
für ein belebtes Freilichtmuseum zur Geschichte von Brandenburg und
Preußen war Colonial Williamsburg in Virginia.
Es gab hervorragend geeignete Orte in Brandenburg für ein großes
Museum. Wegen fehlender Förderung musste das Museumsprojekt jedoch
aufgegeben werden. Die Zusammenarbeit der Vereinsmitglieder setzte sich
allerdings fort und mündete schließlich in der Historiale. Aus dem
geplanten Museumsshop wurde der Buchladen „Berlin Story“ Unter den
Linden. Mit der Buchhandlung entstand die Möglichkeit, die Kontakte
zwischen Verlagen, Autoren, Stadtführern, Professoren und Museumsleuten
zu bündeln und eine Initiative für „Geschichte“ in Berlin zu
entwickeln. Es entstand die Idee eines jährlichen Geschichtsfestivals.
Der Verein wurde etwas umgebaut, anders benannt und bleibt vorerst
klein, um ein arbeitsfähiges Gremium zu erhalten. Der Verein verfolgt
ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.
Wieland Giebel, Verleger und Geschäftsführer der Buchhandlung Berlin Story, ist Vorsitzender des Vereins. Stellvertretende Vorsitzende sind Volker Hobrack (Vorsitzender der Gedenktafelkommission Mitte) und Nele Lenze (Doktorandin). Von der Berlin Story wird dem Verein Historiale ein Büro zur Verfügung gestellt. Drei Mitarbeiter planen derzeit die Historiale - unterstützt von Mitarbeitern der Berlin Story und von Ehrenamtlichen.
Für die Zukunft sollen mithilfe von Einnahmen aus dem Festival,
Fördermitteln und Sponsorengeldern mindestens zwei feste Stellen
ermöglicht werden. Derzeit wird ein Beirat für künftige Historiale
Projekte geschaffen, der bei der thematischen Ausrichtung beraten soll.
Der Beirat soll aus Historikern und Politikern bestehen.
Partner
Bei der inhaltlichen Gestaltung und der Ausarbeitung des Programms
wollen wir längerfristig mit allen Berliner Geschichts-Institutionen
(Museen, Vereine, Archiven) zusammenarbeiten. Bereits für die
Auftaktveranstaltung von 2006 »Napoleon in Berlin« wurden gemeinsame
Programmpunkte mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin, dem Deutschen
Historischen Museum, dem Schloss Charlottenburg, der Stiftung
Brandenburger Tor und dem Museum Mitte umgesetzt. |