Historiale-Nacht

Parallel zur langen Nacht der Museen findet am 30. August 2008 die Historiale-Nacht im Abgeordnetenhaus von Berlin zum Thema „Die preußische Kommunalreform von 1808″ statt

Die preußische Kommunalreform von 1808 war ein wesentlicher Bestandteil des Reformpakets, das Stein und Hardenberg nach der traumatisierenden preußischen Niederlage gegen Napoleon (Schlacht von Jena und Auerstedt) auf den Weg brachten, um das in verkrusteten Strukturen verharrende preußische Königreich fit für die Zukunft zu machen. In den zuvor staatlich verwalteten Städten sollte das sich zunehmend emanzipierende Bürgertum stärkere Berücksichtigung finden. Vor allem in den Regionen östlich der Elbe, deren Städte mehrheitlich erst im Hoch- oder Spätmittelalter gegründet wurden und deren Gesellschaft keine frühbürgerliche Tradition hatte, waren Institutionen der kommunalen Selbstverwaltung nicht oder kaum ausgebildet, hatte das Bürgertum keine oder wenig Entscheidungskompe-tenzen.

Steins Konzeption hob die Reste der tradierten städtischen Resthoheiten auf, die vor allem im Polizei- und Gerichtswesen ausgebildet waren, und ersetzte sie flächendeckend durch ein einheitliches System, das einer Absage an eine zentrale Bürokratie gleichkam. Stein war daran gelegen, das individuelle Interesse an öffentlichen Angelegenheiten zu wecken und – wo es bestand – zu fördern. Ihm ging es mit seiner Repräsentativverfassung, wenn auch nur eingeschränkt, um partizipative Demokratie. Jeder der das Bürgerrecht hatte, also entweder wenigstens 15 Taler verdiente oder Grund und Boden besaß, durfte Stadtverordnete wählen, die das Gros der Stadtgemeinde und nicht mehr nur einen elitären Stand repräsentierten. Zu ihren Kernkompetenzen zählte die vom Staat zu genehmigende Wahl des Magistrats, der sich in mehrere Fachkommissionen gliederte und an dessen Spitze der Bürgermeister stand. Der Magistrat verantwortete den städtischen Haushalt; die Polizei ging unter anderem in seinen Aufgabenbereich über.

Vor dem Hintergrund frühneuzeitlicher Zustände war die Kommunalreform von 1808 ein Fortschritt auf dem Weg zur modernen kommunalen Selbstverwaltung, weil sie die vormaligen Privilegien adliger und wirtschaftsbürgerlicher Eliten beschnitt. Konflikte in Form von Spannungen zwischen progressiven und restriktiven Kreisen sind wahrscheinlich. Annehmbar ist auch, dass sich die unterbürgerlichen Schichten nicht ausreichend berücksichtigt fühlten. Wahlberechtigt waren nur Bürger. Der Er-werb des Bürgerrechts war für Grundeigentümer und Gewerbetreibende verpflich-tend, für Unterschichtler und außerhalb der städtischen Gerichtsbarkeit Stehende zwar theoretisch möglich. Rein praktisch fehlten aber die hierfür nötigen finanziellen Mittel. Es handelte sich bei der städtischen Gesellschaft nach wie vor um eine Bürger-, nicht um eine Einwohnergemeinde.

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